Torbjørn Kvasbø
Form, 1999
CLAY’s park
Foto: Ole Akhøj
Über das Werk
In Norwegen und Dänemark war es früher üblich, beim Besuch einer frischgebackenen Mutter eine Portion Essen in einem Krug mitzubringen. Die ursprünglichen „Wochenbett-Krüge“ waren aus Holz, später jedoch aus Ton. Sie hatten Deckel und Henkel und waren typischerweise mit den Ornamenten des lokalen Töpfers verziert. Der norwegische Keramiker Torbjørn Kvasbø hat seine eigene Interpretation des Wochenbett-Kruges geschaffen. Kvasbø sucht jedoch beim Betrachter auch ganz andere Assoziationen und Reflexionen auszulösen.
Mit seinem Werk hat Kvasbø einen rauen und sinnlichen Ausdruck geschaffen. Ein grundlegendes Element wie die Ornamentik hat er beibehalten, indem er mit den Fingern in den feuchten Tonklumpen ein rhythmisches Lochmuster gedruckt hat. Eine zusätzliche Schicht aus feinerem und leichterem Ton, die er gründlich in die darunterliegende Steinzeugmasse eingearbeitet hat, wirkt wie eine Hautschicht. Das Arbeiten mit den Fingern hat deutliche Spuren im Ton hinterlassen.
Kvasbø interessierte sich sehr für die Grundform des Wochenbett-Kruges, seine Vielfalt und variable Verwendung als Behälter. Ein Gefäß, eine Urne, ein Krug – sie alle sind verschiedene Arten von Behältern mit ganz unterschiedlichen Inhalten. Sie wurden zur Metapher für beispielsweise Körper, Kopf, Leben und Tod. Der Inhalt ist für uns nicht sichtbar, und der Behälter symbolisiert so alles, was wir nicht sehen, und damit auch all das Tabu.
Kvasbøs Skulptur ist in einem Anagama-Ofen gebrannt, einem japanischen Holzofen, der mehrere Tage brennt. Das lange Brennen hinterlässt seine Spuren, indem Fliegasche eine Glasurschicht auf den keramischen Objekten hinterlässt. Mit seinem kraftvollen Ausdruck will Torbjørn Kvasbø den Betrachter „wie ein Schlag auf den Solarplexus“ treffen und hofft, dass seine Arbeit Gedanken und Prozesse beim einzelnen Betrachter auslöst.
Torbjørn Kvasbø
Form 1999, 2000
Brændefyret stentøj, 76 x 78 x 25 cm
CLAY Keramikmuseums Samling
CLAY’s park
© Torbjørn Kvasbø / VISDA. Foto: Ole Akhøj
